Für Einsteiger in der Gastronomie findet sich ein breit gefächertes Sortiment unterschiedlichster Geschäftsmodelle. Vom klassischen Restaurant über einen Catering-Service bis hin zur Kochschule. In diesem Sektor gibt es nahezu nichts, was es nichts gibt.

Besonderer Beliebtheit erfreuen sich überdies Lieferdienste aller Art. Ob Pizza, Burger, Nudelgerichte, Döner oder Aufläufe – Speisen an die Haustür zu liefern, gilt als überaus erfolgversprechendes Geschäftsmodell. Dennoch sind natürlich auch hier einige wichtige Punkte zu beachten.

Eigener Service oder Franchise?

Zunächst einmal muss grundlegend zwischen 2 Modellen unterschieden werden. Dem unabhängigen Lieferdienst mit selbst gewähltem Namen und dem Modell als Franchise-Nehmer. Diese Gretchenfrage stellt sich vielen Gründern in der Gastronomiebranche auch vor der Eröffnung eines klassischen Lokals, eines Bistros oder eines Cafés. Die Vor- und Nachteile ähneln sich also konzeptübergreifend. Einer der entscheidenden Vorteile, von der Sie als Franchisenehmer profitieren, ist der Start mit einem bereits vielfach erprobten, optimierten und vor allem von den Kunden angenommenen Geschäftsmodell.

Die Bekanntheit der jeweiligen Marke spielt Ihnen als Gründer selbstverständlich in die Karten. Als Filialbetreiber einer großen Kette müssen Sie Ihren Kunden Ihr Konzept nicht mehr näher bringen, denn diese kennen es bereits von Dutzenden anderen Filialen. Zudem handelt es sich um ein etabliertes Sortiment, welches stetig den Markterfordernissen angepasst wird, was Ihnen und Ihrem Küchenteam ebenfalls bereits eine Menge Arbeit erspart.  

Ein weiterer entscheidender Vorteil besteht darin, dass Sie auch von bereits laufenden Werbekampagnen profitieren und der Franchisegeber Ihnen außerdem im Rahmen der Corporate Identity ein ganzes Sortiment an Werbematerialien zur Verfügung stellt. Zwar sind all diese Faktoren keine zuverlässige Garantie für Erfolg – allerdings werden Ihnen dadurch beste Voraussetzungen als Starthilfe an die Hand gegeben.

Natürlich ist, wie wir alle wissen, nicht alles Gold, was glänzt und so bringt auch das Franchise-Modell den einen oder anderen Nachteil mit sich. Zwar sind Sie de facto selbstständiger Unternehmer, allerdings in Entscheidungsfreiheit und Selbstverwirklichung erheblich eingeschränkt. Vom Angebot über die Einrichtung, die Preisgestaltung bis hin zur Arbeitskleidung und den Öffnungszeiten. All diese Punkte folgen einem für den Franchisegeber einheitlichen Muster und müssen 1:1 umgesetzt werden. Raum für individuelle Ideen bleibt hier kaum, wohingegen Sie bei einem eigenen, unabhängigen Betrieb von der Serviette bis zum Flyer alles selbst bestimmen können, aber eben auch müssen.

Darüber hinaus gibt Ihnen der Franchisegeber sein Knowhow und die Vorteile des bereits laufenden Marketings sowie die Nutzungsrechte des erfolgreichen Geschäftsmodells nicht gratis an die Hand. Letztlich will er im Gegenzug natürlich auch einen Ertrag erzielen. Daher werden einem Franchisenehmer die sogenannten Franchise-Gebühren in Rechnung gestellt. Diese werden entweder über einen monatlichen Festbetrag abgerechnet, oder aber im Rahmen der gängigeren Variante, des prozentualen Anteils am Netto- oder Bruttoumsatz. Dieser beläuft sich üblicherweise bei 5-10 %.

Festzuhalten bleibt, dass Sie als Franchisenehmer zwar von einer starken, etablierten Marke in vielerlei Hinsicht profitieren, Sie diesen Vorteil allerdings nicht nur mit einem Teil des Gewinnes bezahlen, sondern auch mit Ihrer Individualität und Ihrer unternehmerischen Freiheit.

Standort, Zielgruppe, Umgebung und Angebot

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Sollten Sie sich dazu entschließen, im Zuge eines Lieferdienstes ein eigenes Geschäftsmodell forcieren zu wollen, kommen so einige Faktoren auf Sie zu, welche Sie im Businessplan berücksichtigen müssen. Das beginnt bereits mit grundlegenden Sachen wie der kulinarischen Ausrichtung. Zwar sind Sie in diesem Kontext beim Betrieb eines Lieferdienstes nicht in dem Maße an eine bestimmte Richtung gebunden, wie bei einem klassischen Restaurant, bei dem sich thematisch alle Speisen an einem bestimmten Schema orientieren sollen. Einfach alles querbeet anzubieten, ist jedoch auch kaum zu empfehlen.

Möchten Sie sich also eher Fast-Food wie Burger, Pizza und Pommes fokussieren oder eine etwas anspruchsvollere Küche anbieten? Dieser Faktor hängt zu einem nicht unerheblichen Teil vom nächsten Punkt ab, dem Sie sich in Ihrem Konzept widmen sollten. Der Analyse des Einzugsgebietes. Konzentrieren Sie sich auf einen Radius, den Sie problemlos spätestens 1 Stunde nach Bestellungseingang erreichen können. Das bedeutet, dass Sie spätestens innerhalb einer Stunde die Speisen zubereitet und die Kundenadresse erreicht haben müssen.

Zum Einen möchte kein Kunde länger als eine Stunde auf sein Essen warten und zweitens bleiben Ihre Speisen selbst in gut isolierten Behältnissen auch nicht ewig warm. Daher hat sich diese 1-Stunde-Regel als Maßstab in diesem Zusammenhang etabliert. Mit dem Festsetzen dieses Radius wissen Sie nun auch, in welchem Bereich Sie eine eingehende Zielgruppenanalyse durchzuführen haben. Von der Auswertung hängt nämlich auch Ihre Menüzusammenstellung ab. Gibt es beispielsweise im Einzugsgebiet religiöse Besonderheiten, denen Sie auf Ihrer Karte Rechnung tragen sollten? Stellen Vegetarier und Veganer einen nicht unwesentlichen Teil in Ihrem Umkreis? Wie ist es um Komponenten wie Familienstand, Karriere und Bildungsniveau bestellt? Gibt es in Ihrem Gebiet vordergründig Privathäuser oder sind auch vergleichsweise viele Firmen ansässig?

Diese Faktoren nämlich sollten auch Einfluss auf Ihre Öffnungszeiten haben. In einer „sozial starken“ reinen Wohngegend, in welcher der überwiegende Teil tagsüber gar nicht zuhause ist, werden Sie in dieser Zeit auch kaum etwas verkaufen – mit vergleichsweise vielen Firmen und Geschäften hingegen können Sie womöglich besonders über die Mittagszeit so Einiges an den Mann und die Frau bringen.

Schauen Sie nach der Konkurrenz

Ein weiterer wesentlicher Punkt im Zusammenhang mit Ihrem Lieferservice ist die Analyse der Mitbewerber. Schauen Sie sich in Ihrem potentiellen Einzugsgebiet sehr genau um. Gibt es bereits Lieferdienste und falls es sie gibt – was bieten dies an? Wie ist die Preisstruktur, wann haben diese geöffnet und vor allem – wann sind diese geschlossen? Bestellen Sie auch ruhig mal bei der Konkurrenz, um sich ein Bild von der Qualität zu machen.

Kurzum: Eine genaue Analyse der Mitbewerber ist, unabhängig des Geschäftsmodells, eine der tragenden Säulen für eine gewissenhafte Planung. Wenn Sie der sechste Lieferdienst werden, der in der engeren Umgebung Burger und Pizza anbietet, dürften Sie es schwer haben. Passen Sie also Ihr Konzept der Konkurrenzanalyse an.

Tipp: Lieferservice als Zusatzoption fürs Restaurant

Unter Umständen kann sich ein zusätzlicher Lieferservice als Umsatzbooster entpuppen, wenn Sie bereits eine Gastwirtschaft betreiben. Insbesondere wenn Sie sich bereits eine Stammkundschaft erarbeitet haben, kann ein angeschlossener Lieferservice im Zuge der Kundenbindung ein wirkungsvolles Instrument sein. Nicht immer haben Ihre Stammgäste die Zeit, sich auf den Weg zu Ihnen zu machen. Sollte diese allerdings das Verlangen nach Ihren Köstlichkeiten ereilen, wäre ein Lieferservice eine überaus nützliche Möglichkeit, diesem Umstand Rechnung zu tragen.

Beachten Sie jedoch, dass dieser zusätzliche Geschäftszweig zwar zusätzliche Einnahmen generiert, aber auch zusätzliche Ausgaben wie Fahrzeuge zur Lieferung und unter Umständen weitere Angestellte erfordert, welche die Speisen ausliefern.

Sind Dienste wie Lieferando zu empfehlen?

Lieferando und Co. sorgen bei Ihnen als reichweitenstarke und bedienerfreundliche Portale sehr wahrscheinlich für mehr Umsatz. Wie jeder Unternehmer jedoch weiß, ist der Gewinn die sehr viel wichtigere mathematische Größe. Und was nützt Ihnen im Zweifelsfall der höhere Umsatz, wenn an Gewinn durch die hohen Provisionen an derartige Anbieter nichts oder kaum noch etwas übrig bleibt, nachdem Sie beispielsweise Sprit- und Personalkosten bereits anteilig vom Umsatz durch einen durch Lieferando vermittelten Auftrag abgezogen haben?

Je nach Marge, die Sie an Ihren Aufträgen verdienen, können Lieferando und ähnliche Dienste also entweder nützliches Marketing-Werkzeug oder Rohrkrepierer sein. Im Zweifelsfall bietet es sich an, die Optimierung der eigenen Website in Betracht zu ziehen, um mehr Aufträge zu generieren.

Was gibt es noch zu beachten?

Wie bei allen Modellen, stellt sich auch im Rahmen eines Lieferdienstes die Frage nach Verordnungen, Lizenzen und Genehmigungen. Die gute Nachricht ist, dass Sie für einen Lieferdienst schon mal keine Konzession benötigen. Das erspart Ihnen unter Umständen bereits eine Menge Ärger und graue Haare.

Selbstverständlich unterliegen Sie jedoch auch mit einem solchen Geschäftsmodell den Regularien hinsichtlich des Lebensmittel- und Hygienerechts. Auch die Lebensmittelüberwachung kommt hier zur Anwendung, in deren Rahmen Vorgaben bezüglich der Räumlichkeiten eingehalten werden müssen, das sogenannte Eigenkontrollsystem (HACCP) zu beachten ist und Augenmerk auf eine angemessene Personalschulung zu legen ist. (§4 LMHV/Belehrungen im Rahmen des §43 IfsG).

Als ersten Anhaltspunkt für Neugründer in der Gastronomiebranche können wir Ihnen auch immer unsere „16 Tipps für Gastro-Gründer” ans Herz legen. In diesem Ratgeber finden Sie einen Überblick zu vielen wichtigen Aspekten rund um den Aufbau eines gastronomischen Betriebes.

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